Ich bin ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. Ich bin aber nicht naiv und sehe die Risiken des Konzepts und die Schwierigkeiten einer Umstellungen.
Zur Analyse der Idee des Grundeinkommens ist es notwendig unser Wirtschaftsgefüge ganz grundsätzlich zu betrachten. Es geht nicht nur darum, eine Alternative zu unserem System der Transferleistungen zu schaffen, sondern es geht auch um ein neues Verhältnis zur Arbeit. Das ist genau das, was den Kritiker Angst und den Befürwortern Mut macht.
Wir müssen uns weiterentwickeln
Ideen, wie das Grundeinkommen haben nur ein Ziel. Sie wollen unsere Gesellschaft besser machen. Freundlicher, komfortabler, weniger aggressiv, weniger vergleichend, weniger zwingend. Und wir sind uns doch alle einig, dass das irgendwann passieren muss, dass wir irgendwann eine neue Entwicklungsstufe erklimmen müssen.
Die Kombo Demokratie und Kapitalismus ist zwar effektiv, aber zu oft bleibt das Individuum auf der Strecke. Das führt zu einer generellen Angst, die wir alle in den Hinterköpfen haben. Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Arbeitsunfähigkeit, vor Überflüssigkeit, vor dem Nicht-Gut-Genug-Sein und so weiter.
Welches Wohl uns vorenthalten wird
Ursprünglich wollte ich in diesem Artikel nur kurz das Grundeinkommen erwähnen, denn eigentlich geht es mit um etwas anderes. Etwas, das vor allem die Internet-Szene betrifft. Es geht um digitale Inhalte wie Musik, Filme, Programme, Texte und so weiter.
Wir haben gelernt, dass Güter einen Preis haben, weil sie knapp sind. Und sie sind knapp, weil die Herstellung jeder Einheit Geld kostet bzw. begrenzte Ressourcen verbraucht.
Aber trifft das auf unsere digitalen Güter zu? Natürlich, aber nur teilweise. Zwar sind die Fixkosten für die Herstellung einer Einheit immer noch gegeben (Filmbudget, Redaktionsgehälter…) aber die Zusatzkosten pro distribuierter Einheit sind praktisch Null.
Im Klartext: Natürlich kostet die Herstellung eines Songs immer noch Geld. Aber, ob der Song 10 oder 1000 Mal runtergeladen wird, macht eigentlich keinen Unterschied mehr (abgesehen von den Traffickosten).
Warum ist das so?
Warum kann man dann nicht beliebig Musik runterladen? Weil die Unternehmen und Künstler natürlich Geld verdienen wollen. Also werden die Güter künstlich knapp gehalten (Kopierschutz, Zugangsabos…).
Damit wir aber auch effektiv das Wohl unserer Gesellschaft verringert. Würden die Leute, die heute die Musik bezahlen, das auch dann tun, wenn die Musik für jedermann frei zum Download angeboten würde, dann könnte sie an die ganze Welt verschenkt werden.
Multipliziert man die potentielle Zahl der Nutzer mit der Zahl der digitalen Inhalte, dann könnte viel Freunde, Wohl, Glück, Spaß und Wissen an die Menschen weitergegeben werden. Einfach so, ohne das es jemanden was kostet.
Andersherum formuliert: Was fällt den Leuten eigentlich ein, diese Bereicherung den Menschen einfach so vorzuenthalten. Wofür?
Ist es nicht möglich, ein System zu finden, in dem wir für die Dinge, die wir für wichtig halten, zahlen wie zuvor, aber trotzdem den Rest auch noch genießen können?
Dies ist eine grundsätzliche Erörterung. Ich habe keine Lösung. Ich weiß nicht, ob die Kultur-Flatrate so ein System sein könnte.
Es ist einfach so, dass es mich der Sachverhalt richtig empört hat, also ich darüber nachdachte. Vielleicht bin ich eben doch naiv, vielleicht übersehe ich auch so manchen Mechanismus.
Doch der Gedanke bleibt: Was können sich die Künstler davon kaufen, wenn ich ihre Musik nicht höre?
Foto: mararie / flickr