Mittlerweile ist die Ankündigung des Kindle Fires auch in der etablierten Printpresse angekommen und viel ist geschrieben worden. Meist ist zu lesen, dass Amazon seinen iPad-Konkurrenten vorgestellt hätte. Die Geräte sind auf den ersten Blick ähnlich, das stimmt, aber bei sorgfältiger Betrachtung wurden die Geräte für unterschiedliche Zielgruppen entworfen.
Klar, der Kindle Fire ist ein mobiler Computer mit Touchscreen ohne ein Smartphone zu sein. Legt man diese Maßstäbe an, dann sind die Geräte Konkurrenten. Meiner Meinung nach ist der Markt allerdings schon so differenziert, dass wir eine Ebene tiefer gehen können. Betrachtet man alleine die Hardwareaussattung des Kindles werden die Unterschiede deutlich: 7 Zoll Display, keine Kamera, kein Microfon, kein 3G und kein GPS. Anders als die Rechenpower haben diese fehlenden Fähigkeiten durchaus Implikationen für die Anwendung.
Noch deutlicher wird das, wenn man die Software betrachtet. Wieso hat sich Amazon nicht stärker an Googles Android gehalten? Eine Integration der eigenen Anwendungen (Musik, Video, Bücher, Cloudspeicher, Silk-Browser) wäre dann auch möglich gewesen. Samsung, HTC und Motorola machen es zumindest zum Teil vor. Natürlich hätte der Amazon Appstore dann ewig im Schatten des Google Market gestanden, aber der ganze Tablet-Markt hat gezeigt, dass die zu Verfügung stehenden Apps entscheidend für den Erfolg sind.
Amazon sieht sich nicht als iPad-Konkurrenz und steht per se auch nicht in Konkurrenz zu anderen Android-Geräten. Dann nämlich müsste Amazon mit der Funktionalität von Googles Anroid in Sachen Textverarbeitung, Kontaktverwaltung, App-Katalog und vielem mehr mithalten. Diesen Schuh hat man sich klugerweise nicht angezogen.
Für Amazon ist die Zielgruppe klar definiert. Der Kindle-Fire ist für Leute, die einen Mini-Computer zum Konsum von Musik, Film und Internet suchen. Andere Tablets können das zwangsläufig auch, darüber hinaus sind sie aber auch potente Reise- und Arbeitsgefährten mit unendlich vielen Erweiterungsmöglichkeiten. Der Kindle-Fire ist ein Unterhaltungsgerät, das iPad ein Notebookersatz.

10. Oktober 2011 um 09:12 Uhr
Ich sehe das etwas anders. Ich würde nämlich nicht “eine Ebene tiefer” gehen wie du sagst und mir die Hardware ansehen, sonder im Gegenteil – etwas rauszommen. Der Blick auf’s Ganze zeigt, dass der Kindle Fire eingebettet ist in ein komplettes System aus Apps, Musik, Filmen, Zeitungen, Büchern.
Das haben alle anderen Android-Tablets bisher versäumt. Es geht für die Masse der Konsumenten eben nicht um das Gerät, sondern um das, was man damit machen kann. Das ein Galaxy Tab mindestens doppelt so hoch aufgelöste Filme abspielen kann ist ja schön und gut, aber wo bekomme ich die her?
Apple und Amazon ähneln sich hier wirklich sehr stark. “Alles aus einer Hand” lautet die Devise. Selbst auf den Android Marketplace verzichtet Amazon und packt auch hier den eigenen Shop drauf.
Für mich ist der Kindle Fire die erste echte iOS-Konkurrenz. Diesen Vergleich traue ich mich schon deshalb, weil vom Android so gut wie nichts mehr zu sehen ist. Wenn du den Blick nur auf die Hardware richtest, klar dann stinkt das Teil voll ab, aber so habe ich deinen Artikel nicht verstanden.
11. Oktober 2011 um 08:51 Uhr
Richtig, die Hardware per se hat keine Ausagekraft, allerdings kann sie als Indikator für die Anwendung eines Tablets dienen.
Ich stimme dir zu; das Ecosystem aus Apps und Content ist zentral für den Erfolg eines Gerätes. Sowohl das iPad als auch der Kindle Fire haben eines, aber Amazon konzentriert sich auf ein Unterhaltungsgerät, mit man einzig und allein konsumieren kann. Das iPad ist dagegen ein Tablet der “Post-PC-Ära” mit dem man eben auch ein Buch schreiben, seinen Fernseher steuern, eine Patentienakte bearbeiten, einen Film drehen und sein Auto navigieren kann… für alle, die nach einer dieser Anwendungen suchen ist das iPad ein Kindle-Konkurrent, aber der Kindle kein iPad-Konkurrent.